Magische Momente

Vor einiger Zeit ist dein Roman „Divinitas“ beim Drachenmondverlag erschienen.
Kannst du uns etwas darüber erzählen?
„Divinitas“ ist mein erster Roman. Vor einigen Jahren habe ich einige FanFictions geschrieben und diese auch veröffentlicht. „Divinitas“ basiert auf einem von mir programmierten RPG, einem Computerspiel, das ich 2005 begonnen habe zu erstellen. Über eine eineinhalbstündige Beta ist es jedoch nie hinausgekommen. Es gab schon das Grundgerüst der Story. Die Halbelfe Fye war die Protagonistin, die der Spieler steuerte, es gab auch schon Vaan, der damals allerdings nur ein normaler Prinz war, ebenso seine Schwester Giselle.
Fye ist eine Halbelfe und lebt aufgrund ihrer Abstammung einsam und versteckt im Wald. Halbelfen gelten als Unglücksbringer und werden gnadenlos verfolgt. Als sie jedoch aufgrund ihrer schlechten Ernte keine andere Wahl hat und in das nahegelegene Dorf gehen muss, um dort Vorräte zu kaufen, wird sie durch ein Missgeschick enttarnt und gefangen genommen. Kurz bevor sie hingerichtet werden soll, gelingt ihr die Flucht mithilfe eines vermummten Mannes, doch sie merkt schnell, dass nichts wieder so sein wird, wie es vorher war …

Was hat dich zu dieser Geschichte veranlasst, woher kam diese Idee?
Wie gesagt gab es den groben Plan schon als Computerspiel. Woher genau die Idee kam, kann ich heute nicht mehr sagen. Das Spiel geriet lange Zeit in Vergessenheit, bis ich 2014 einen neuen PC bekam und meine alten Daten auf die neue Festplatte überspielen wollte. Dabei fiel mir die alte Sicherungskopie von „Divinitas“ in die Hände und mir war klar, dass es eigentlich zu schade war, um es irgendwo verrotten zu lassen. Also setzte ich mich hin und tat das, was ich von Anfang an hätte tun sollen: ich schrieb.

Welche Person war für dich am schwersten und welche am leichtesten zu entwickeln?
Am leichtesten fiel mir Fye, die Protagonistin. Sie vereint viele Eigenschaften von mir, sowohl positive als auch negative, und es fiel mir sehr leicht, mich in sie hineinzuversetzen. Ähnlich ging es mir mit Vaan.
Am schwersten fiel mir meine Antagonistin. Ich mag keine Bösewichte, die einfach nur böse um des bösen Willens sind. Sie müssen vielschichtig sein. Ich möchte als Leser (oder als Zuschauer oder als Zocker, ganz egal) denken: Ich verstehe, warum du so geworden bist, warum du so handelst, aber trotzdem hasse ich dich! So etwas zu kreieren, ist nicht einfach, und ich hoffe, dass es mir einigermaßen gelungen ist.

Stand das Grundkonzept von vornerein fest oder entwickelte sich alles nach und nach?
Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich alles aus der Spiele-Beta übernehmen. Es gibt Szenen, die fast 1:1 aus dem Spiel stammen, so bspw. die Szene, als Fye nach der Flucht zu ihrer Hütte zurückkehrt. Aber der Rest ist neu. Auch viele Charaktere, wie Miranda oder die Elfenschwestern, sind erst nach und nach hinzugekommen, genauso wie die Fluchthematik.

Was hast du für eine Szenarie vor Augen gehabt, als du diese Geschichte entwickelt hast?
Abgesehen von meinem kurzen Abstecher ins New-Adult-Genre, schreibe ich nur Fantasy. Ich liebe es, mir eigene Welten auszudenken, in denen ich nicht an festgeschriebene Gesetzgebungen gebunden bin. Wenn ich will, dass meine Figuren fliegen können, dann können sie es, Punkt.
Bei „Divinitas“ liebte ich besonders Fyes Hütte und die Lichtung, auf der sie stand. Viele Szenen spielen auch dort.

Das Cover gefällt mir wahnsinnig gut, hattest du dabei Mitspracherecht?
*grinst* Kann man so sagen 🙂 Ich habe es selbst erstellt. Genau wie alle meine anderen Cover. Ich bin da sehr eigen und lasse da niemanden ran. Der Drachenmond-Verlag lässt mir da zum Glück sehr viel Freiheit und segnet es quasi am Ende nur ab und bezahlt die Bildrechte. Ich bin megaglücklich, dass das so läuft, denn kaum etwas wäre für mich schlimmer, als wenn meine Geschichten mit einem hingeklatschten 08/15-Cover betitelt werden würden, wie es leider – zumindest in meinen Augen – gerade bei größeren Verlagen immer wieder der Fall ist.
Oft sind meine Cover schon fertig, bevor auch nur eine Zeile zur Geschichte geschrieben ist. So war es bspw. bei „Falkenmädchen“. Da kam zwar vom Verlag noch ein Veto wegen der Augenfarbe, aber da habe ich mich durchgesetzt. Genauso wollte ich es haben und, wie gesagt, ich bin da eigen und lasse dann auch nicht mit mir reden 😉

Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zum fertigen Buch?
Das Spiel habe ich 2004-2005 entwickelt und dann 2014 wiederentdeckt. Ich schrieb dann die Geschichte von Mitte 2014 bis August 2015. Ende November 2015 ist das Buch dann im Drachenmond-Verlag erschienen. Also ein gutes Jahr, würde ich sagen, wobei ich anfangs auch nicht wirklich ambitioniert daran geschrieben habe, sondern immer mal, wenn ich halt Lust hatte. Mittlerweile ist das anders. Auch bei „Divinitas“ änderte sich das dann schlagartig, als ich die Verlagszusage hatte. Es ist für mich eben ein Unterschied, ob ich nur für mich in meinem stillen Kämmerlein schreibe, oder tatsächlich mal etwas daraus wird.

Wie hast du die ersten Lesermeinungen empfunden?
Die ersten Meinungen kamen von meinen beiden Testleserinnen (mittlerweile habe ich auf drei aufgestockt), die mich immer wieder motiviert haben, weiterzumachen, auch wenn ich zwischendrin oft verzweifelt war und am liebsten alles hinschmeißen wollte.
Die erste Blogrezension kam damals von Ilys Bücherblog und das weiß ich noch, als wäre es gestern gewesen. Ihre lieben Worte und die sehr ausführliche Rezension haben mir die Tränen in die Augen getrieben und mir ist ein ganzer Hinkelstein vom Herzen gefallen, als ich die erste „echte“ Lesermeinung gelesen habe.

Schreibst du vielleicht schon an einem neuen Buch und kannst uns evtl. etwas darüber verraten?
Momentan arbeite ich noch an „Nemesis“, was bisher mein umfangreichstes Werk werden wird. Irgendwie will es kein Ende nehmen und verursacht mir erste graue Haare 😉
Danach ist „Falkenmädchen“ dran und danach habe ich eine Märchenadaption geplant und zwar mein persönliches Lieblingsmärchen der Gebrüder Grimm. Es ist ein sehr unbekanntes Märchen, ganz abseits des ganzen Rotkäppchen- und Cinderella-Quatschs, und ich bin schon gespannt, wie es sich entwickelt.

In diesem Jahr stehen ja einige Veröffentlichungen von dir an.
Im Februar dein New Adult Roman „Ungenügend“, im April „Nemesis“ und im Juni „Falkenmädchen“.
Kannst du uns etwas mehr darüber verraten?
Gerne 🙂

„Ungenügend“ ist ein Experiment gewesen. Weil ich so gerne die Szenen aus Vaans Sicht in „Divinitas“ geschrieben habe, kam ich auf die „glorreiche“ Idee, doch ein ganzes Buch aus der Sicht eines Mannes zu schreiben. Nun ja, es fiel mir schwer, dieses Buch zu schreiben und für mich steht fest, dass ich im Fantasy-Bereich bleiben werde. Nichtsdestotrotz hat sich „Ungenügend“ zu einem Buch entwickelt, mit dem ich zufrieden bin, auch wenn es zwischenzeitlich nicht danach aussah. Es erfindet nicht das Rad neu, aber ich denke, es tut, was es soll: es unterhält.
„Ungenügend“ erzählt die Geschichte von Leon, dem Playboy der Schule, der jedoch nur eine Frau liebt: seine ehemalige Nachhilfelehrerin Alex. Als ihre Beziehung jedoch ans Licht kam, feuerten Leons Eltern die junge Frau. Eines Tages jedoch taucht sie als Vertretungslehrerin in Leons Schule auf und er spürt sofort die alte Anziehungskraft. Doch ein Zusammensein scheint unmöglich, denn Alex ist nun eine ausgebildete Lehrerin …
Im Grunde geht es also um die erste Liebe, die man nicht vergessen kann, und ums Erwachsenwerden. Ein typischer New-Adult-Roman eben 🙂

„Nemesis“ ist ein Fantasy-Projekt, an dem ich gerade noch arbeite und hoffentlich im Januar fertig werde. Es ist mittlerweile mein umfangreichstes Projekt und ich habe noch so viel zu erzählen! Viele, die den Klappentext gelesen haben, denken schnell an SwordArt Online, aber ich kann alle beruhigen: bis auf die Tatsache, dass die Protagonistin Evelyn in einem Spiel feststeckt, hat es nichts mit SAO zu tun (und selbst diese Idee stammt nicht von SAO und wurde schon sehr viel früher verwendet, bspw. in Monster Rancher, wem das noch was sagt, aber das nur mal am Rande 😉 ).
Evelyn Porter, genannt Nemesis, ist die beste Gamerin der Welt und befindet sich auf Rang 3 der Weltrangliste. Sie wird auserwählt, eine neue Technologie zu testen, mit der ihr Bewusstsein in ein Spiel eintauchen und mit ihm interagieren kann. Als sie jedoch in der Welt Mareia landet, merkt sie schnell, dass etwas nicht stimmt: nicht nur, dass sie sich nicht ausloggen kann, nein, sie empfindet Schmerz und kann sogar bluten. Sie erfährt, dass sie von der Göttin Gaia als ihre Hüterin auserwählt wurde, die dazu bestimmt ist, mithilfe der vier Wächter, die sie suchen muss, die Göttin aus ihrem jahrtausende andauernden Schlaf zu erwecken, um den Krieg zu beenden. Auf ihrer Suche trifft Evelyn nicht nur auf freundlich gesinnte Wesen, und als sie beginnt, Gefühle für einen ihrer Wächter zu entwickeln, läuft alles aus dem Ruder …

„Falkenmädchen“ ist das Prequel zu „Divinitas“, aber genau wie „Divinitas“ wird es ein eigenständiges Buch sein. Das heißt, man kann „Falkenmädchen“ lesen, ohne „Divinitas“ zu kennen, und umgekehrt.
Miranda ist nicht wie die anderen und wird deswegen gemieden. Nie sieht man die junge Frau bei Tag. Wie auch? Schließlich verwandelt sie sich beim ersten Sonnenstrahl in einen schwarzen Falken. Nur ihr Vater, der ihren Fluch teilt, steht zu ihr. Als er jedoch getötet wird, wenden sich alle von ihr ab. Gefangen und verschleppt, soll sie fortan zur Beizjagd des jungen Prinzen dienen …

Was bist du selbst für eine Person?
Wie würdest du dich charakterisieren?
Hmm, schwierig, so etwas über sich selbst zu schreiben 😀
Ich bin eher ruhig. Ich beobachte gerne, bin nicht laut und stehe auch nicht gerne im Mittelpunkt. Ich hatte schon immer eine blühende Fantasie, die ich in Bildern oder Geschichten auslebte. Ich bin oft unsicher und sehr kritisch mit mir selbst, versuche aber, das nach außen hin nicht zu zeigen.
Heim und Familie sind mir sehr wichtig.

Auf was kannst du beim Schreiben auf keinen Fall verzichten?
Meine Playlist und Cappuccino mit Milka-Geschmack! Und Kopfhörer, weil mich sonst jedes Geräusch ablenkt und nervt.

Hast du einen ordentlichen oder einen chaotischen Arbeitsplatz?
Ich glaube, chaotisch ist dafür gar kein Ausdruck! 😀 Aber ich finde immer alles mit einem Griff. Wie sagt man doch so schön? Nur der Kleingeist hält Ordnung, das Genie überblickt das Chaos!

Was inspiriert dich und wie kannst du dich am besten entspannen?
Im Grunde inspiriert mich alles. Das kann ein gutes Buch oder ein guter Film sein oder ein Spiel, das ich gerade zocke und bei dem ich dann denke: Hmm, das hätte ich jetzt anders gelöst. Aber es kann auch ein Name sein. Neulich hatte ich eine Buchidee, weil ich den Namen auf einem Baukran gelesen habe. Ja, auch so was kommt vor! Wichtig ist dann immer, dass ein Notizbuch in greifbarer Nähe ist, denn solche Geistesblitze, die aus dem Nichts kommen, vergesse ich leider auch schnell wieder.
Am besten entspanne ich mich daheim auf der Couch, neben mir meine Hunde an mich gekuschelt, während ich lese, einen Film schaue oder zocke.

Wie gehst du mit Lob und Kritik um?
Unterschiedlich. Natürlich freut mich sich immer über Lob und Zuspruch, das ist ganz normal. Aber auch aus Kritik kann man seinen Nutzen ziehen, wenn sie begründet ist. Ein einfaches „Konnte mich nicht fesseln“ ist zwar sehr schade, aber dadurch weiß ich nicht, was ich das nächste Mal besser machen kann, damit der Leser zufrieden ist. Es ist sowieso so, dass nicht jedem meine Bücher gefallen, das ist ganz normal und damit muss man leben. Das tue ich auch. Wie gesagt freue ich mich über konstruktive Kritik, weiß aber, dass es einfach nicht möglich ist, jeden Geschmack zu treffen. Hier muss ich dann abwägen. Ein solches Thema waren bpsw. die erotischen Szenen in „Divinitas“. Ich bekam massig Zuspruch von Lesern, die sich freuten, dass eben nicht „ausgeblendet“ wurde wie in so vielen Büchern, aber ein paar waren dann dabei, denen die Szenen für einen Fantasy-Roman zu anstößig waren. Wie gesagt, jedem kann ich es nicht recht machen 🙂

Wie stehst du zu Lesungen?
Ich habe gleich zu Beginn auf Lovelybooks eine Leserunde zu „Divinitas“ veranstaltet und eine weitere läuft bald bei „Literaturschock“, worauf ich mich schon sehr freue. Wenn es meine Zeit zulässt, bin ich da immer präsent, antworte auf Fragen und lese mir alle Meinungen durch. Das bringt mir sehr viel und ich schätzen diesen direkten Draht zu meinen Lesern.
Eine direkte Lesung, also bei der ich irgendwo vor einem Publikum sitze und aus einem meiner Bücher vorlese, habe ich noch nicht gemacht. Vielleicht irgendwann mal.

Was liest du selbst am liebsten und welche Hobbies hast du noch?
Ich selbst lese am liebsten Fantasy, gerne mit viel Romantik. Auch mal New Adult zwischendurch. An was ich gar nicht rankann, sind Krimis und Thriller. Irgendwie weiß ich schon nach dem ersten Viertel des Buches immer, wer der Täter ist, und es zieht sich nur noch wie Kaugummi.
Ich bin in meiner Freizeit viel mit meinen drei Hunden unterwegs. Nebenbei zocke ich seit 11 Jahren World of Warcraft (Server Der Mithrilorden, Mönch-Heiler Lionera 😉 ) und andere Videospiele. Ich nähe sehr gerne, vor allem Hundebedarf, den ich dann in meinem Online-Shop verkaufe.

Welche Ziele, Träume und Hoffnungen hast du im Leben?
Gesundheit für meine Familie und mich ist das oberste Ziel. Danach kommen dann die ganzen kleineren Träume 🙂 Vom Schreiben zu Leben ist natürlich ganz vorne dabei, aber das steht leider noch in den Sternen. Ein heimlicher Wunsch von mir ist es, mal einen Disney-Film zu synchronisieren.

Liebe Asuka,für die Zukunft wünsche ich dir alles Gute und vor allem das du immer Spass an dem hast, was du tust.

~ Susi Aly ~
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